Das italienische Steuersystem

Für Arbeitnehmer/innen und Rentner/innen

Die progressive Besteuerung (gesamtstaatliche IRPEF)
Zur Berechnung der Einkommensbruttosteuer wird das besteuerbare Einkommen mit den vorgesehenen fünf Steuersätzen progressiv besteuert. Von der Bruttosteuer werden dann die Steuerfreibeträge abgezogen, um die Nettosteuer zu errechnen. Die Freibeträge sind keine Fixbeträge, sondern werden anhand des Gesamteinkommens ermittelt.

Einkommenssteuersätze:


Einkommen bis zu 15.000 Euro
23 %
Einkommen von 15.001 – 28.000 Euro
27 %
Einkommen von 28.001 – 55.000 Euro
38 %
Einkommen von 55.001 – 75.000 Euro
41 %
Einkommen höher als 75.000 Euro
43 %

Familienangehörige zu Lasten:
Ehepartner und/oder Kinder gelten als zu Lasten lebend, wenn diese ein besteuerbares Jahreseinkommen von unter 2.841 € hatten. Ab dem 1.1.2019 erhöht sich diese Grenze für Kinder bis einschließlich 24 Jahren auf 4.000 €. Die Steuerfreibeträge für die Kinder jeden Alters (ausschlaggebend ist nur die Einkommensgrenze) werden normalerweise zur Hälfte zwischen den Eltern aufgeteilt; alternativ kann jenes Elternteil mit dem höheren Einkommen 100 % der Freibeträge beanspruchen. Ist ein Elternteil selbst zu Lasten lebend, so kann der andere Elternteil auch die 100 % der Kinder beanspruchen. Bei Fehlen eines Elternteils (Tod oder Nichtanerkennung) kann für das erste Kind der Freibetrag für den Ehepartner zu Lasten angewandt werden.

Ehepartner zu Lasten:
Die Freibeträge für zu Lasten lebende Ehepartner hängen auch vom Einkommen des arbeitenden Ehepartners ab:

Einkommensfreibeträge:
(über 80.000.00 € = 0)

Einkommen bis zu 15.000 Euro
€ 800
Einkommen von 15.001 – 40.000 Euro
€ 690 - 720
Einkommen von 40.001 – 80.000 Euro
€ 690

Kinder zu Lasten:
Je nach Einkommen bis zu 950 Euro bzw. bis zu 1.220 Euro für Kinder unter 3 Jahren.
Für Kinder mit Beeinträchtigung erhöht sich der Freibetrag um 400 €.
Für kinderreiche Familien gibt es zusätzliche Freibeträge.

Falls die Kinder gearbeitet oder ein Stipendium erhalten haben, ist es wichtig, deren CU/Einkommensbestätigung bei der eigenen Steuererklärung mitzunehmen. So können wir einerseits feststellen, ob die Kinder steuerlich noch zu Lasten waren, andererseits kann es sein, dass die Kinder eine eigene Steuererklärung machen müssen bzw. können.

Die Steuerfreibeträge stehen den Eltern mit einem Kind bis zu einem Einkommen von 95.000 € zu; für jedes weitere Kind steigt die Einkommensgrenze um 15.000 € und werden im Verhältnis zum Gesamteinkommen gewährt.

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Das steuerfreie Einkommen beträgt 2019 für Renten 8.125 €, für abhängige Arbeitsverhältnisse (bei 365 Arbeitstagen) 8.000 € und für autonome Tätigkeiten 4.800 €.

Steuerbonus 2020
Am 23.01.2020 hat die Regierung das Dekret zur Senkung der Steuerlast für lohnabhängig Beschäftigte genehmigt – Rentner haben kein Anrecht auf den Steuerbonus 2020. Der Steuerbonus greift ab Juli 2020 – nach ersten Einschätzungen werden ca. 150.000 Südtiroler davon profitieren.
Für Geringverdiener, also für jene, die ein Einkommen unter 8.200 Euro vorweisen und somit bereits von der Einkommenssteuer befreit sind, ändert sich nichts. Den Empfängern von Gehältern, die zwischen 8.200 Euro und 26.600 Euro liegen, – also jenen, die aktuell den Anspruch auf den Renzi Bonus haben – wird dieser auf 100 Euro aufgestockt. Interessant ist der Steuerbonus 2020 vor allem für die Beschäftigten, die zwischen 26.600 Euro und 28.000 Euro verdienen. Bislang hatte diese Einkommensgruppe kein Anrecht auf Steuererleichterungen, ab Juli beträgt diese satte 100 Euro monatlich. Auch die Einkommen, die zwischen 28.000 Euro und 35.000 Euro liegen, können sich über den Steuerbonus freuen. Er vermindert sich progressiv je nach Höhe der Einkommen und beträgt zwischen 100 und 80 Euro. Für Arbeitnehmer, welche Einkommen zwischen 35.000 und 40.000 Euro beziehen, reduziert sich der Bonus schneller. Während Einkommensempfänger von 35.000 Euro jährlich ab Juli immerhin mit 80 Euro mehr im Monat rechnen können, reduziert sich dieser Betrag auf 0,00 Euro für Einkommensempfänger ab 40.000 Euro jährlich.

Steuererklärung für Verstorbene
Auch für Verstorbene muss eine Steuererklärung gemacht werden. Handelt es sich um Rentner ergibt sich oftmals ein Steuerguthaben, da das INPS beim Ableben keinen Steuerausgleich vornimmt. Ab 2020 kann für die verstorbenen auch das Modell 730 gemacht werden.

Mietverträge
Wird die kassierte Miete der ordentlichen, progressiven Steuer unterworfen, so werden 95 Prozent der Miete besteuert. Wer sich für die fixe Ersatzsteuer („cedolare secca“) entscheidet, zahlt 21 %. Zudem gilt bei konventionierten Mietverträgen (3+2 Jahren) in den dicht besiedelten Gemeinden („alta tensione abitativa“), das sind Stand 2019 Bozen, Meran, Leifers, Lana, Eppan und Algund, ein vergünstigter Steuersatz von 10 Prozent. Wer diese „cedolare secca“ anwenden will, muss sich bei der Registrierung bzw. Verlängerung des Mietvertrages für diese Option entscheiden.
Mieter können wiederum bei der Steuererklärung einen Steuerfreibetrag nutzen, sofern sie das Einkommenslimit von 30.987 Euro nicht überschreiten. Zudem darf es sich nicht um einen WOBI-Mietvertrag handeln und es dürfen im Bezugsjahr keine Mietbeihilfen kassiert worden sein.
Sowohl bei Ver- als auch bei Mietern ist es unbedingt notwendig, bei Abfassung der Steuererklärung den Mietvertrag mitzubringen.

Abschreibung Sanierungsspesen

Die steuerlichen Aspekte zur Abschreibung von Sanierungsspesen sind in den letzten Jahren immer wieder abgeändert, ergänzt oder erneuert worden. Das erste Gesetz stammt von 1997, das Gesetz 449/97. Ab diesem Zeitpunkt war es möglich Sanierungsspesen in der Steuererklärung abzuschreiben. Es folgten neue gesetzliche Bestimmungen. Zur Zeit gibt es zwei Gesetze, welche die Sanierungen regeln: Art. 16bis DPR 917/86 (ordentliche und außerordentliche Instandhaltungsarbeiten) und das Gesetz 296/2006 (energetische Sanierung).
Die Materie der Sanierungsspesen ist äußerst komplex. Die folgenden Informationen dienen nur dazu einen Überblick zu erhalten. Detaillierte Informationen können bei uns bei Bedarf eingeholt werden. Aufgrund der Komplexität ist dies in den meisten Fällen telefonisch nicht möglich.
Man unterscheidet zwischen ordentlicher Instandhaltung, außerordentlicher Instandhaltung und energetischer Sanierung.

Ordentliche Instandhaltung
Diese Spesen können nur in Abzug gebracht werden, wenn es Arbeiten betrifft, welche das Kondominium durchführt. Der Verwalter muss den einzelnen Eigentümern eine Aufteilung der Spesen aufgrund des Besitzanteils am Kondominium ausstellen. Diese Kosten können dann in der Steuererklärung abgeschrieben werden.

Außerordentliche Instandhaltung
Diese Kosten können vom Eigentümer der Immobilie/Wohneinheit für Sanierungsarbeiten an dieser Immobilie/Wohneinheit in Abzug gebracht werden.

Energetische Sanierungsspesen
Es handelt sich um Instandhaltungsspesen, bzw. Sanierungsspesen, welche eine Energieeinsparung zur Folge haben.
Zu diesen „klassischen“ Sanierungsspesen kommen noch der sog. Möbelbonus und der Grünanlagenbonus dazu.

Möbelbonus
Bei einer laufenden außerordentlichen Instandhaltung hat der Erklärer die Möglichkeit den Ankauf von Möbeln und großen Elektrogeräten im Ausmaß von max. 10.000 € in Abzug zu bringen.

Grünanlagenbonus
Diese Abschreibung kann unabhängig von anderen Sanierungsarbeiten in Anspruch genommen werden, hat eine abschreibbare Obergrenze von 5.000 € und betrifft die Gestaltung von Grünanlagen und Bewässerungsanlagen.

Vorgangsweise und benötige Unterlagen
Wie bereits oben erwähnt müssen eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein um in den Anspruch dieser Abschreibung zu kommen. Einige bürokratische Erfordernisse müssen vor Beginn der Arbeiten erfüllt sein, einige nach Beendigung der Arbeiten.
Als erstes muss sich der Erklärer in der Gemeinde, in der sich die Immobilie befindet, informieren, ob es einer Bewilligung für die durchzuführenden Arbeiten bedarf. Sind an den Arbeiten mehr als ein Unternehmen beteiligt, ist die sog. Vorankündigung der Baustelle telematisch an das Amt für Arbeitssicherheit der Provinz Bozen zu senden. Dies muss immer vor Beginn der Arbeiten gemacht werden (Ausschlussgrund für die Abschreibung bei Nichteinhaltung).
Nach Beendigung der Arbeiten muss, falls vorgesehen, das Bauende der Gemeinde gemeldet werden. Handelt es sich um eine energetische Sanierung muss auch die sog. ENEA-Meldung gemacht werden. Diese muss innerhalb 90 Tagen nach Abschluss der Arbeiten telematisch an die Behörde gesendet werden.
Wird die Steuerklärung bei uns gemacht ist es unumgänglich vor Beginn der Arbeiten einen Termin zu vereinbaren, damit wir uns einen Überblick machen und dem Erklärer die entsprechenden Informationen geben können. Nicht alles kann abgeschrieben werden! Es gibt auch für die verschiedenen Abschreibungen unterschiedliche Obergrenzen. Weiters muss geklärt werden, wer wie viel aufgrund seines Besitzverhältnisses und seiner steuerlichen Kapazität abschreiben kann. Bei größeren Arbeiten muss dann mit dem Techniker/Geometer der steuerliche Aspekt abgeklärt werden. Es kommt beispielsweise oft vor, dass die Baukonzession „Sanierung und Erweiterung“ als Titel trägt. Da die Erweiterung nicht abgeschrieben werden kann, gilt es genau zu definieren, welche Rechnungen die Sanierung und welche die Erweiterung betreffen. Dies kann der Techniker auch in Zusammenarbeit mit den beauftragten Firmen klären. Es können getrennte Rechnungen ausgestellt werden oder auch eine prozentuelle Aufteilung gemacht werden.

Bezahlung der Rechnungen
Die Bezahlung der Rechnungen muss per Banküberweisung erfolgen. Es ist die Überweisung betreffend Steuerbegünstigung zu verwenden. Darauf wird entweder der Art. 16bis DPR917/86 oder das Gesetz 296/06 angegeben. Weiters sind die Steuernummer des Erklärers (Auftraggeber) und die der Firma (Auftragnehmer) anzugeben.

Wer kann abschreiben
Neben dem Besitzer, nacktem Eigentümer oder Fruchtnießer können auch die in der Familie lebenden Familienmitglieder,welche keinen Rechtstitel auf die Immobilie haben, die Spesen abschreiben. Auch der Mieter einer Wohnung kann Sanierungsspesen abschreiben.

Zeitraum der Abschreibung
Es handelt sich hier um eine mehrjährige Abschreibung welche auf 10 Jahre aufgeteilt wird. Da die Abschreibung, gleich wie die meisten anderen Abschreibungen, von der Bruttosteuer abgezogen wird, muss vorher geklärt werden, ob in den nächsten 10 Jahren es die Einkommenssituation zulässt, das volle Ausmaß auszuschöpfen. Insbesondere wenn die Möglichkeit besteht, die Abschreibung auf mehrere Familienmitglieder aufzuteilen. Eine Aufteilung ist zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr möglich.
Wir bieten unseren Mitgliedern Sprechstunden bezüglich der Absetzbarkeit von Sanierungen in den Bezirksbüros an.
Sie können die Termine direkt in den Bezirksbüros vormerken.

Weiterführende Informationen gibt es in den verschiedenen Leitfäden (in deutscher Sprache) der Agentur für Einnahmen: https://www.agenziaentrate.gov.it/portale/web/deutsch/nsd/leitfaden


Sie haben Fragen? Bitte wenden Sie sich an eines unserer Bezirksbüros unten!