04.05.2026
1. Mai in Völs: ASGB fordert Würde, Sicherheit und Zukunft
Bei strahlendem Frühlingswetter feierte der Autonome Südtiroler Gewerkschaftsbund am 1. Mai seine traditionelle Maifeier auf dem Festplatz in Völs. Der Platz war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Stimmung ausgezeichnet und die Beteiligung überwältigend. Zahlreiche Mitglieder, Familien, Vertreter der Politik und Medien sowie Freunde des ASGB waren der Einladung gefolgt und machten die Feier zu einem rundum gelungenen Fest, das in Erinnerung bleiben wird.
Die 1.-Mai-Feier des ASGB präsentierte sich dabei einmal mehr als echtes Familienfest und als Fest unter Freunden. Für die zahlreichen Kinder standen vielfältige Spielmöglichkeiten bereit, während für die Besucher ausreichend Speis und Trank geboten wurde. Die hervorragende Verköstigung, die gesellige Atmosphäre und das spürbare Miteinander sorgten dafür, dass sich Jung und Alt gleichermaßen wohlfühlten. Auch die große Verlosung war ein besonderer Höhepunkt und trug zur ausgezeichneten Stimmung bei.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Festrede von ASGB-Vorsitzendem Tony Tschenett, der am Tag der Arbeit klare Worte fand. Der 1. Mai sei kein Tag für leere Floskeln und keine Bühne für Schönfärberei, sondern der Tag jener Menschen, die Südtirol mit Fleiß, Können und Verlässlichkeit täglich am Laufen halten.
Arbeitnehmer sind das Rückgrat Südtirols
Tschenett erinnerte daran, dass Südtirol nach außen als erfolgreiches Land wahrgenommen werde. Rekordzahlen im Tourismus und wirtschaftliche Stärke dürften jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich immer mehr Einheimische das Leben in der eigenen Heimat kaum noch leisten könnten.
„Was nützt uns ein wirtschaftlich starkes Land, wenn jene, die den Wohlstand erarbeiten, selbst immer stärker unter Druck geraten?“, stellte Tschenett in den Raum. Der ASGB-Vorsitzende warnte insbesondere vor einer Entwicklung, die Südtirol langfristig schwer schaden könne: Junge Menschen, gut ausgebildete Fachkräfte und engagierte Arbeitnehmer verließen zunehmend das Land, weil sie hier keine leistbare Wohnung, zu niedrige Löhne und zu wenig Perspektive vorfänden.
Leistbares Wohnen, faire Löhne und mehr lokale Verantwortung
Besonders kritisch sprach Tschenett die Diskrepanz zwischen hohen Lebenshaltungskosten und zu niedrigen Löhnen an. Nationale Kollektivverträge würden der Südtiroler Realität vielfach nicht gerecht. Wer in Rom verhandle, kenne die Mietpreise, den Kostendruck und die besondere Lebenswirklichkeit in Südtirol nicht ausreichend.
Der ASGB erneuerte daher seine Forderung nach mehr lokaler Gestaltungsmöglichkeit bei Löhnen und Arbeitsbedingungen. Es brauche Verträge, die stärker an den tatsächlichen Lebenshaltungskosten in Südtirol ausgerichtet seien. Eine starke Autonomie müsse gerade dort greifen, wo die Menschen sie am dringendsten spürten: bei Arbeit, Einkommen, Wohnen und sozialer Sicherheit.
Respekt für Arbeitnehmer und Rentner
In seiner Rede nahm Tschenett auch die Rentner in den Blick. Wer ein Leben lang gearbeitet, Beiträge gezahlt, Kinder großgezogen und das Land mitgetragen habe, dürfe im Alter nicht zum Bittsteller werden. Kleine Pensionen reichten angesichts der hohen Preise in Südtirol vielfach nicht mehr aus. Anpassungen und Unterstützungsleistungen seien zwar wichtig, zugleich aber auch ein Warnsignal.
Eine Pension sei die verdiente Anerkennung einer Lebensleistung, betonte Tschenett. Diese Anerkennung müsse sich nicht nur in Worten, sondern ganz konkret auf dem Konto widerspiegeln.
Dank an die Mitarbeiter und ein starkes Fest in Völs
Ein besonderer Dank galt auch den Mitarbeitern des ASGB. Tschenett würdigte ihren täglichen Einsatz in den Fachgewerkschaften, in den Dienstleistungsbereichen und im Hintergrund der Organisation. Wer Menschen vertrete, Missstände anspreche und tagtäglich mit Sorgen, Nöten und Ungerechtigkeiten konfrontiert sei, leiste eine Arbeit, die Respekt verdiene.
Neben den klaren politischen Botschaften kam auch das Miteinander nicht zu kurz. Die Verköstigung war hervorragend, die Stimmung auf dem voll besetzten Festplatz ausgelassen und die große Verlosung ein Höhepunkt der Feier. Die zahlreichen Besucher zeigten sich begeistert und machten deutlich, dass der 1. Mai beim ASGB nicht nur ein politischer Feiertag, sondern auch ein Fest des Zusammenhalts ist.
Der 1. Mai bleibt Auftrag
Der ASGB sieht den Tag der Arbeit auch weiterhin als Auftrag, Missstände beim Namen zu nennen, den Arbeitnehmern den Rücken zu stärken und für ein Südtirol einzutreten, in dem Arbeit wieder Würde, Sicherheit und Zukunft bringt.
Tschenett stellte abschließend klar, dass der ASGB auch in Zukunft seine Stimme erheben werde: klar, deutlich und wenn nötig unbequem – immer im Interesse jener Menschen, die Südtirol tagtäglich tragen.
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